Und Ball und Ort passen ausgezeichnet zur allgemein deutlich
verjüngten Klientel. Frisch und locker kam das gesellschaftliche
Großereignis daher, ganz passend zum ausgerufenen Motto „Hinein in den
Frühling“.
Und die Gesellschaft feierte bis in die frühen Morgenstunden
ausgelassen und gut gelaunt. Kein Wunder, denn das Programm, das der
ausrichtende Verein Lübecker Presse, allen voran Geschäftsführerin
Claudia Winter auf die Beine gestellt hatte, bot offensichtlich für
jeden etwas und war ausgesprochen vielfältig.
Vom Shanty-Gesang Peter Looses in der „Kogge“ über die „Firebirds“ im
„Saal Lübeck“, fetzigen Rhythmen mit Max and Friends im Foyer, den
Bauchredner Jan Mattheis, Darbietungen der Tanzschule Huber-Beuss, oder
die unplugged aufspielenden Valentine and the true believers im
„Nautilo“ und (nicht) schlussendlich NDR-DJ Big ben, der die
„Wunderbar“ wahrlich rockte - oder wann hat man den Kieler
FDP-Fraktionsvorsitzende Wolfgang Kubicki schon mal zu „Nena“ abhotten
sehen?!
Dazu kamen die Presseball-Standards, die einfach nicht fehlen dürfen:
Casino-Atmosphäre direkt importiert aus Travemünde. (Schade, dass die
charmante Leiterin der Spielbank Jessica Barke nicht da war, wohl aber
ihr Chef, S-H-Spielbankleiter Matthias Hein, der sich als
„Wiederholungstäter“ mit Gattin ebenfalls wunderbar in der „Wunderbar“
amüsierte.)
Auch ein beliebter Standard: die wie immer großzügig und reich
bestückte Tombola. Ich bin jetzt beispielsweise stolze Besitzerin eines
quasi 600-Dollar-Schreibtischsets, das offensichtlich igendwo hinter
China hergestellt wurde... (Keine Sorge, liebes stiftendes Lübecker
Bankunternehmen, ich halte dicht!). Und ich hätte mich auch total über
einen Picknickkorb der BKK Dräger&Hanse gefreut, zumal
BKK-Pressesprecherin Monika Hille versicherte, dass es sich garantiert
„um keinen Billigkram“ handele. Mehr Glück hatte
Ministeriums-Sprecherin und Namensvetterin Beate Hinse, die eine
Steakmesser-Ausrüstung von WMF gewann.
Sieht ja erstmal gut aus...
Aber wtf ist KlebefIEM und ein/e ZeHelbox *kicher*
Aber am meisten Glück hatten ohnehin die drei Glücklichen, die sich
über die ausgelobten Hauptgewinne freuen durften: Hans Jürgen Wolter
fährt jetzt für ein halbes Jahr ein nagelneues Mercedes
E-Klasse-Cabriolet, Christin Gergel freut sich über einen
5000-Euro-Einkaufsgutschein von Möbel Reese und ein wertvolles
Perlen-Collier vom Juwelier Mahlberg schmückt nun den Hals von Claudia
Owczarz. Am meisten gewonnen hat allerdings der Verein Lübecker Presse.
Alle Lose der Tombola wurden verkauft und so dürfen sich sowohl
Lübecker Institutionen wie beispielsweise die Telefonseelsorge auf
einen weiteren Zuschuss freuen als auch der Zweck der ganzen Sache,
nämlich "fröhlich zu feiern und leise zu helfen" weiterhin erfüllt
werden. Der Verein hilft Journalisten, die in Not geraten sind. Claudia
Winter: "Es gibt erst seit 1958 ein Sozialversicherungsgesetz für
Journalisten und es gibt in Lübeck einige ältere Kollege, die
beispielsweise durch Krankheit der Frau o.Ä. in große finanzielle
Bedrängnis geraten sind - diesen helfen wir!"
Keine Hilfe benötigten indes die Profis, die um 23 Uhr einen neuen
Standard mit einem prächtigen Feuerwerk vor herrlicher Altstadtkulisse
setzten: Die „Aaaahs“ und „Oooohs“ der (Zaun-)Gäste hielten noch lange
nach. So mancher Altstadtbewohner freute sich über die ungewohnte späte
Illumination.
Auch unbedingt als ausgezeichneter Programmpunkt erwähnenswert: Das
Buffet, das die Crew rund um die Küchenchefs Wolfgang Meistes und
Marcel Naumann auftischten. Meistes, nicht nur an den Töpfen ein
Meister, auch in puncto Gelassenheit: „Ich schwanke immer zwischen der
Befürchtung zu viel und der Angst, zu wenig zu haben“, sagt dies aber
mit einer solchen Ruhe, als würde er täglich 850 Leute auf einmal
bewirten. Als wir mit Filmen durch waren, war leider alles schon
abgetragen und ich konnte nichts von all‘ den offensichtlich
superleckeren kleinen und großen Schmankerl‘n oder gar dem Gegrillten
probieren - aber man hörte nur Worte des Lobes. Prima - um Mitternacht
gab‘s für die schon wieder (oder immer noch...) Hungrigen einen
rustikalen Imbiss in Form von Bratkartoffeln mit Spiegelei oder Hot
Dogs. Das Eis-Buffet im Traumschiff-Stil brachte zudem nicht nur
zusätzliches Hüftgold, sondern auch Entzückungsausrufe hervor...
Wenig spektakulär fand ich in diesem Jahr ehrlich gesagt die Roben der
Damen. Mein persönlicher Favorit, wenn auch nicht in der ausgerufenen
Ballfarbe „Blau“: Gemeinnützigen-Chefin Antje Peters-Hirt, die in einem
auffallenden Plisee in rot (“natürlich von Henriette K., Hüxstraße!“)
viele Blicke auf sich zog. Des Weiteren und einfach immer ein Garant
für stilvolle Sexyness: LTM-Geschäftsführerin Andrea Gastager. Dieser
Frau kann man wohl auch einen Sack überstülpen und es sieht passend und
elegant aus - beneidenswert.
Ansonsten - würde ich mir wünschen, dass man bei manchen Kleidern
weniger, nämlich nackte Haut, statt mehr sehen könnte. Und was so
überhaupt gar nicht geht - auch wenn man in Momenten der Verzweiflung
darüber nachdenkt sind - Jeans. Ein absoluter Fauxpas. Sorry, junge Dame, das ist nicht revolutionär, sondern schlichtweg respektlos.
Das wäre wohl ein Fall für die (ältere) Dame, die an der Garderobe (zu
Recht) das Fehlen eines Spiegels monierte. Großartig, wie der Gatte sie
zu beruhigen versuchte: „Liebling, wir sind hier nun mal in der
Kleinstadt!“
Nö. So ganz und gar nicht kleinstädtisch präsentierte sich die Allianz
der rund 40 Helfer des Vereins Lübecker Presse und das
120-Mann/Frau-Team des Radisson: Freundlich und auf Zack, höflich und
bis weit in den Morgen offensichtlich mit Spaß bei der Arbeit, so
wünscht man sich mehr Personal in der Servicewüste Deutschland...
Ein weiterer Höhepunkt des Abends: Als Moderatorin Harriet Heise (auch
ihr Kleid war im vergangenen Jahr raffinierter) die LN-Sportler des
Jahres ehrte: In Vetretung für Sohn Dirk („trainiert in Marokko“) nahm
Vater Volker von Zitzewitz den Preis aus den Händen von Schirmherrin
und Stadtwerke-Geschäftsführerin Annie Lykke Gregersen entgegen. Die
Weitsprung-Weltmeisterin Vanessa Low (19) und SG National-Schwimmer
Nils Mollenhauer (16) nahmen ihre Auszeichnungen persönlich entgegen.
Ein wirklich rundum gelungener Abend, auch wenn einige - inklusive
Hausherr Rik Brust - dem Theater das „ballwertere“ Ambiente zusprachen.
Ich finde, das weniger an Plüsch hat dem Ball in diesem Jahr extrem gut
getan. Denn ein wesentlicher Punkt wurde immer wieder gelobt: „Wir sind
wieder mehr zusammen“, bringt Ball-Chefin Claudia Winter die Stimmen
vieler auf den Punkt. War es im Theater nur zu leicht möglich, quasi
über Stunden nebeneinander zu feiern, ohne sich auch nur einmal zu
begegnen, war dies ein „Ball der Begegnung“. Also, ICH freue mich aufs
nächste Jahr!
BeA Bentien