Einen ungewöhnlichen Fund machte
eine 44-jährige Lübeckerin am Mittwochnachmittag, gegen 16.00 Uhr, während eines
Strandspazierganges in Niendorf (Kreis Ostholstein), im Bereich hinter der
dortigen Schwimmhalle. Die Frau fand beim Steinesammeln mehrere bernsteinartige
Brocken und nahm diese anschließend mit nach Hause. Auf ihrer Terrasse im
Lübecker Stadtteil St. Gertrud säuberte sie die Stücke mit Wasser. Nach Aussage
der Finderin sei es wenig später zu einer chemischen Reaktion gekommen, wobei
die Fundstücke zu qualmen anfingen und sich schließlich entzündeten.
Die Frau informierte die Polizei,
woraufhin zwei Beamte des 3. Polizeireviers Lübeck zum Haus der Lübeckerin
entsandt wurden und die Fundstücke nach kurzer Inaugenscheinnahme in ein
verschließbares Glas legten. Offenbar handelte es sich um Phosphor. Das Glas
wurde in einem separaten Raum der Polizeidienststelle aufbewahrt.
Gemeinsam mit der Finderin suchten
die Lübecker Beamten den besagten Strandabschnitt auf, da sich hier noch größere
Teile der gefundenen Substanz befinden sollten. Beamte der
Polizei-Zentralstation Timmendorfer Strand hatten zwischenzeitlich bereits den
Bereich abgesperrt. Die Absuche verlief jedoch
erfolglos.
Die Frau begab sich anschließend zur
Uniklinik und ließ sich vorsorglich untersuchen. Sie wurde nach ambulanter
Behandlung wieder entlassen. Der 27-jährige Polizeiobermeister des 3.
Polizeireviers Lübeck hatte bei der Untersuchung der Fundstücke offenbar Qualm
eingeatmet und klagte über Schmerzen in den Atemwegen. Er wurde ebenfalls in der
Notaufnahme der Lübecker Uniklinik aufgenommen und blieb zur weiteren
Beobachtung über Nacht stationär im Krankenhaus. Hier befindet er sich weiterhin
(Stand 08.04.2010, 11.40 Uhr). Sein Kollege blieb nach bisherigen Informationen
unverletzt.
Am Donnerstagvormittag ist der
Strandabschnitt weiterhin gesperrt. Spezialisten des Kampfmittelräumdienstes
haben den Fund im Glas auf der Lübecker Dienststelle untersucht und vernichtet.
Es handelt sich nach bisherigen Informationen bei der gefundenen Substanz um
hochgiftigen und leicht entzündbaren weißen
Phosphor.
Gemeinsam mit der Finderin wollen
Polizei und Kampfmittelräumdienst den gesamten Strandabschnitt im Laufe des
Tages erneut absuchen.
In diesem Zusammenhang bittet die
Polizei alle Strandspaziergänger um erhöhte Aufmerksamkeit beim Sammeln von
Steinen oder bernsteinartigen Substanzen. In den letzten Jahren kam es entlang
der Ostseeküste immer wieder zu ähnlichen Phosphorfunden. Hierbei handelt es
sich nach bisherigen Informationen offenbar um Kampmittelrückstände, die an die
Strände gespült und anschließend von Strandgängern als „Bernsteinfund“
eingesammelt werden. Vereinzelt kommt es zu Brandverletzungen oder
Atemwegserkrankungen.
Da nach einem Fund, auch über
Hautkontakt, schwerwiegende und nachhaltige Folgeschäden nicht auszuschließen
sind, sollte in einem Verdachtsfall immer ein Arzt aufgesucht werden!