Die vorliegenden Zahlen zum Flughafen betreffend Investitionen,
Passagiere, Abwicklungskosten usw tragen
mehr zur Verwirrung bei, als dass sie hilfreich für die Entscheidungsfindung
sind. Flughafengegner und Flughafenbefürworter haben naturgemäß ihre je eigene
Sichtweise und bewerten die Zahlen auf ihrer Argumentationslinie eher negativ
oder positiv, gerade so wie es eben besser passt.
Das erste Take-off-Konzept zeigte dabei eine sehr naheliegende
Wirtschaftlichkeit auf. Das zweite Take-off-Konzept kalkuliert eher
übervorsichtig und sieht zukünftige Investitionen sehr frühzeitig zur Realisierung
vor. Die eher negativen Aussagen des Rechnungsprüfungsamtes und die
Entgegnungen des Bürgermeister hierzu widersprechen sich heftig; auf der
Sitzung des Hauptausschusses wurde allerdings die Sorgfalt des RPA-Berichtes
deutlich in Frage gestellt.
Kritiker sehen alles viel schlimmer als dargestellt. Befürworter
finden berechtigte Argumente für positivere Entwicklungsszenarien. Fazit: Der ungesicherte
Glaube an die eine oder andere Zahleninterpretation kann so oder so nicht allein
Maßstab der Entscheidung für oder gegen den Flughafen sein.
Einig sind sich im Übrigen Alle – Gegner wie Befürworter - darin,
dass die Abwicklungskosten einschließlich Abschreibung von Investitionen und
Verlusten, unnötigen Infrastrukturmaßnahmen (z.B. Bahnhaltestelle) und vor
allem Sozialplankosten im mittleren zweistelligen Millionenbereich wahnwitzig
hoch sind. Und einig sind sich Alle – mehr oder weniger - auch, dass der
Flughafen eine Stärkung der Wirtschaftskraft für Lübeck bedeutet. Und
schließlich sind sich alle einig, dass der Flughafen auf Dauer kein
Bermuda-Dreieck für den städtischen Haushalt sein darf.
Bei unsicheren Zahlen und einer grundsätzlichen Einigkeit in
zentralen Punkten muss deshalb das Entscheidungsdilemma eine andere Lösung
haben: Bevor eine unumkehrbare Abwicklung in Rede steht muss zunächst eine
Situation herbeigeführt werden, dass die Flughafenentwicklung auf besser
gesicherter Basis beurteilt werden kann. Diese Situation besteht darin, dass
erstens die angefochtene Planfeststellung vom Gericht bestätigt wird und
zweitens durch den JA-Bürgerentscheid erkennbar wird, dass Lübeck seinen Flughafen
im Grundsatz haben will – beides Grundvoraussetzungen für den Einstieg eines
seriösen Flughafenbetreibers.
Der Flughafen muss also zunächst eine gesicherte juristische Basis
für seine Entwicklung bekommen, mit der Ausbaumaßnahmen tatsächlich überhaupt möglich
werden. Nur dann ist die Einrichtung einer Base mit Stationierung von
Flugzeugen von Fluggesellschaften in Lübeck realisierbar, nur dann werden
Investoren und das Land von der Zukunft des Flughafens überzeugt werden können,
nur dann wird die Flughafenentwicklung realistisch absehbar und können
belastbare Zahlen für zukünftige Investitionen vorgelegt werden. Deshalb ist
ein JA zum Flughafen auch für Unentschlossene und Skeptiker die vernünftige
Entscheidung.