ENSEMBLE REFLEXION K & ENSEMBLE VOCES BERLIN | 28.07.2010
St.
Petri zu Lübeck, Donnerstag, 5. August 2010, 20 Uhr
Zu dem
Konzert “Gegendämmerung” von
ENSEMBLE REFLEXION K & ENSEMBLE VOCES BERLIN
Im Fokus dieses Konzertes steht der Kontrast von vokaler Renaissance- und
zeitgenössischer Musik. Zentrale Bestandteile der Auseinandersetzung sind dabei
eine Messe von Guillaume de Machaut sowie
elektroakustische und vokal/ instrumentale Werke von Gerald Eckert.
In der Musik von Machaut wirken gleichzeitig Bestandteile
der alten „Notre Dame“ Schule wie auch der neuen Bestrebungen, die
Vokalpolyphonie freier auszugestalten. Die Messe de Nostre Dame gilt heute als
das Hauptwerk Machauts. Man nimmt an, Machaut habe dieses Werk für die Krönung
Karls V. im Jahre 1364 komponiert, doch es gibt keinen Hinweis darauf, dass die
Messe de Nostre Dame während der Krönungsfeierlichkeiten in Reims, der alten
Krönungsstadt Frankreichs, tatsächlich erklungen ist. Die Messe verdankt ihren
Beinamen Nostre Dame der Kathedrale zu Reims, die der Jungfrau Maria geweiht
ist.
Die Messe de nostre Dame ist ein
einzigartiges Werk, das erst ein Jahrhundert später einen Nachfolger findet.
Bis dahin hatte es nur Kompilationen von Einzelkompositionen der verschiedenen
Messteile des Ordinariums gegeben, aus denen Messzyklen ausgewählt wurden. Auch
waren die Kompositionen erst dreistimmig. Guillaume de Machaut schreibt die
erste vierstimmige Messe als Zyklus, bei dem rhythmische Entsprechungen und
melodische und klangliche Wiederholungen die einzelnen Sätze wie das ganze Werk
als Einheit erscheinen lassen. Die fortgeschrittene Technik der
Motettenkomposition wird auf die Komposition der Messe übertragen.
Die Formsprache der Renaissance-Komponisten wurde erst
wieder von den Komponisten der Musik nach 1945 in ihrer ganzen Bandbreite
erfasst und aufgegriffen. In der Musik Gerald Eckerts wirken ebenso
unterschiedliche strukturästhetische und formale Kräfte, die zu ungewöhnlichen
klanglichen Erscheinungen führen. Dabei wird die Stimme in „Gegendämmerung“
(2008) für Stimme und Flöte mehrdeutig gehandhabt, sowohl als „instrumentale
Klangfarbe“, als auch als Informationsträger – das Gedicht „physikalische Optik
V“ von Raoul Schrott. In „Aux mains de l’espace (1993) für Tonband könnte man
den Inhalt, obwohl das Gedicht – „Türme des Schweigens“ - als Kommentar nach
der Beendigung des Stückes ausgewählt wurde und lediglich assoziativ,
keinesfalls programmatisch zu verstehen ist, des Gedichtes von Paul Éluard auf
poetischer Ebene durchaus konzeptionell ansehen. Das vergebliche - der Musik
immanente - Bemühen um Existenz/ Körper und Schatten, die Art der
Dekonstruktion ("ils battent les pierres " - Kontraktion
verschiedener Klangkomplexe auf "Klangpunkte") und der Konstruktion
(neue perspektivische Qualität durch Hall und Raumgebung), das Bemühen um eine
neue "Sichtweise", die doch gleichzeitig das Aufbäumende/ Vergängliche
in sich trägt ("ils ne sont ni jour ni nuit " -
"et les pierres seront soleil "), bestimmen den
formalen Verlauf wie die Klangästhetik des Werkes.
Ein Konzert im Spannungsbogen zwischen alter und neuer Musik, zwischen
vierstimmiger Vokalpolyphonie und komplexer Formsprache zeitgenössischer
Kunstmusik in der Auseinandersetzung mit dem „Jetzt“.
Eintritt
€ 12,- / erm. € 8,-
Vorverkaufsstellen:
Pressezentrum, Konzertkasse im
Hause Weiland,
Klassik-Kontor, St. Petri Turmshop
ensemble reflexion
K ist Deutschlands nördlichstes Neue-Musik-Ensemble, wurde 2001 gegründet,
wobei das Duo reflexion K eine Spezialbesetzung innerhalb des gesamten
Ensembles darstellt. Hauptaugenmerk des Ensembles liegt in der Aufführung von
zeitgenössischer und experimenteller Musik in den unterschiedlichsten
Ausprägungen und Formen, der Auseinandersetzung bzw. Zusammenarbeit mit anderen
Kunstsparten - bildende Kunst, Literatur, “neue” Medien, Tanz - sowie mit
gegenwärtigen künstlerischen und gesellschaftlichen Themen. Das Ensemble
bespielt Konzertreihen mit Neuer Musik in Eckernförde und Kiel (2004/ 05). 2004
wurde die Début-CD, 2008 eine Portrait-CD mit Kompositionen von Gerald Eckert
veröffentlicht. Das Ensemble war an der Gründung der Festivals CHIFFREN –
kieler tage für neue musik und PROVINZLAERM – Neue-Musik-Festival Eckernfoerde
maßgeblich beteiligt. Es liegen diverse Rundfunk- und Fernseh-Mitschnitte vor
und es gab Einladungen u.a. zum Nachwuchs-Forum des Ensemble Modern
(Frankfurt/Main, dem Festival "Before the symbol" (Baku/Aserbaidschan),
der Kryptonale (Berlin), dem Festival "Roaring Hoofs" (Mongolei) oder
dem NWEAMO-Festival (USA). Im Herbst 2009 fanden Konzertreisen nach
Argentinien/Uruguay, zum TRES-CANTOS-FESTIVAL Madrid/Spanien und zum
SICM-Festival Seoul/Korea statt.
Besetzung ensemble VOCES berlin:
Katja Kanowski Sopran,
Karola Hausburg Alt
Nicolas Smith Tenor
Sebastian
Schwarze Bass
Das ensemble VOCES berlin besteht seit 1991 und ging aus dem
gemeinsamen Studium der Sängerinnen und Sänger an der Berliner Kirchenmusikschule
hervor. Das Ensemble setzt sich überwiegend mit Vokalwerken der Renaissance und
des Barock sowie des 19. Und 20. Jahrhunderts auseinander und führt sie in
solistischer Besetzung auf. Da alle Mitglieder des Ensembles ausgebildete
Chorleiter und Sänger sind, gibt es keine musikalische Leitung in einer Person.
Die Interpretation entsteht in der gemeinsamen Arbeit am Werk.
Neben einer regen Konzerttätigkeit in Berlin führten Konzertreisen das
Ensemble in alle Teile der Bundesrepublik und nach Norwegen.