Juni 26, 2026

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NASA startet riskante Rettungsmission für Forschungssatelliten Swift

NASA startet riskante Rettungsmission für Forschungssatelliten Swift

Einzigartige Weltraummission soll wissenschaftliches Observatorium vor dem Absturz bewahren

Die US-Raumfahrtbehörde NASA bereitet eine außergewöhnliche Rettungsmission vor, um den Forschungssatelliten „Swift“ vor einem vorzeitigen Wiedereintritt in die Erdatmosphäre zu bewahren. Das Vorhaben gilt als technisch anspruchsvoll und ist in dieser Form bislang ohne Vorbild. Ziel ist es, die Lebensdauer eines für die Astrophysik bedeutenden Weltraumobservatoriums um mehrere Jahre zu verlängern.

Nach Angaben der NASA soll ein speziell entwickeltes Serviceraumschiff am Samstag von einem Atoll der Marshallinseln im Pazifik starten. Dafür werden ein „Stargazer“-Trägerflugzeug und eine „Pegasus“-Rakete eingesetzt. Der Starttermin bleibt jedoch abhängig von den technischen und meteorologischen Bedingungen und könnte kurzfristig verschoben werden.

Swift untersucht seit zwei Jahrzehnten die energiereichsten Ereignisse im Universum

Der Satellit „Swift“ wurde bereits 2004 vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida ins All gebracht. Das Observatorium, das offiziell den Namen „Neil Gehrels Swift Observatory“ trägt, ist mit drei wissenschaftlichen Teleskopen ausgestattet.

Seine Hauptaufgabe besteht darin, sogenannte Gammablitze zu beobachten. Dabei handelt es sich um extrem energiereiche Explosionen im Universum, die zu den stärksten bekannten kosmischen Ereignissen zählen. Die gewonnenen Daten liefern Forschern weltweit wichtige Erkenntnisse über Schwarze Löcher, Neutronensterne und andere astrophysikalische Phänomene.

Zentrale Bedeutung für die moderne Astrophysik

Ursprünglich war die Mission auf eine Dauer von lediglich rund zwei Jahren ausgelegt. Aufgrund ihres wissenschaftlichen Erfolgs wurde sie jedoch mehrfach verlängert. Nach Angaben der NASA nimmt das Observatorium inzwischen eine zentrale Rolle bei der Erforschung kurzfristiger und schwer vorhersehbarer Himmelsereignisse ein.

An dem internationalen Forschungsprojekt sind neben den USA auch Italien und das Vereinigte Königreich beteiligt. Trotz seines Alters befindet sich der Satellit laut NASA grundsätzlich in einem guten technischen Zustand.

Geomagnetische Stürme bringen Satellitenbahn in Gefahr

Die größte Bedrohung für die Mission geht derzeit von starken geomagnetischen Stürmen aus. Diese werden durch intensive Sonnenaktivität ausgelöst und können die Umlaufbahnen von Satelliten beeinflussen. Wissenschaftler gehen davon aus, dass „Swift“ ohne Eingreifen gegen Ende des Sommers seine Umlaufbahn verlieren könnte.

„Für ein generisches Raumschiff wäre es schon in Ordnung, aus der Umlaufbahn herauszukommen. Aber das ist nicht irgendein Raumschiff. Es ist ein Observatorium mit einzigartigen Fähigkeiten für die Astrophysik“, sagte NASA-Manager Shawn Domagal-Goldman auf einer Pressekonferenz.

Er ergänzte: „Also haben wir entschieden: Ja, wir wollen das hier diesmal retten, weil es so besonders ist.“

Katalyst Space entwickelt Rettungsraumschiff in Rekordzeit

Den Auftrag für die Rettungsmission erhielt im September das US-Unternehmen Katalyst Space. Das Projekt verfügt über ein Budget von rund 30 Millionen US-Dollar, was umgerechnet etwa 26 Millionen Euro entspricht.

Innerhalb von nur neun Monaten entwickelte, baute und lieferte das Unternehmen das rund 400 Kilogramm schwere Raumfahrzeug „Link“. Es ist mit drei Roboterarmen, drei Haupttriebwerken sowie weiteren Navigations- und Steuerungssystemen ausgestattet.

Nach dem Start soll „Link“ zunächst mehrere technische Tests im Orbit durchführen. Anschließend wird sich das Raumfahrzeug dem Swift-Observatorium annähern und dessen Umlaufbahn über mehrere Monate hinweg schrittweise anheben. Ziel ist die Rückkehr auf die ursprüngliche Flughöhe, um den wissenschaftlichen Betrieb fortsetzen zu können.

Wissenschaftlicher Betrieb könnte bis zu fünf weitere Jahre laufen

Gelingt die Mission wie geplant, könnte „Swift“ bereits ab Herbst wieder regulär wissenschaftliche Daten liefern. Der Satellit befindet sich derzeit im Energiesparmodus.

Forschende rechnen damit, dass das Observatorium nach erfolgreicher Rettung noch mindestens fünf weitere Jahre wertvolle Messdaten liefern könnte. Das Serviceraumschiff „Link“ würde seine Aufgabe anschließend beenden und kontrolliert in die Erdatmosphäre eintreten, wo es verglühen soll.

Erfolg bleibt ungewiss

Trotz sorgfältiger Vorbereitung betonen NASA und Katalyst Space die Risiken des Vorhabens. Das Andocken an einen älteren Satelliten und die anschließende Bahnkorrektur gelten als technisch äußerst komplex.

„Das ist alles herausfordernd und riskant“, sagte Kieran Wilson von Katalyst Space bei einer Pressekonferenz. „Selbst viele Raumfahrzeuge, die viel länger und mit viel mehr Geld entwickelt wurden, sind aus banalen Gründen gescheitert.“

Fazit

Mit der geplanten Rettung des Swift-Observatoriums wagt die NASA einen außergewöhnlichen Schritt in der Raumfahrt. Sollte die Mission erfolgreich verlaufen, könnte ein bedeutendes Forschungsinstrument der internationalen Astrophysik noch mehrere Jahre genutzt werden. Gleichzeitig dient das Projekt als wichtiger Test für zukünftige Servicemissionen im Erdorbit, die angesichts der wachsenden Zahl von Satelliten zunehmend an Bedeutung gewinnen.