Der zunehmende Einsatz künstlicher Intelligenz (KI) und cloudbasierter Anwendungen treibt den Energieverbrauch deutscher Rechenzentren deutlich nach oben. Nach aktuellen Berechnungen des Digitalverbands Bitkom könnte sich der Strombedarf der Branche bis 2035 nahezu verdreifachen. Gleichzeitig erschweren begrenzte Netzkapazitäten und langwierige Genehmigungsverfahren den Ausbau der digitalen Infrastruktur.
Stromverbrauch von Rechenzentren könnte auf 70 Milliarden Kilowattstunden steigen
Rechenzentren und kleinere IT-Anlagen werden in Deutschland im Jahr 2026 voraussichtlich rund 23 Milliarden Kilowattstunden Strom benötigen. Das entspricht dem jährlichen Verbrauch von etwa 6,5 Millionen Haushalten und übersteigt damit den gesamten Strombedarf der Privathaushalte in Bayern oder Nordrhein-Westfalen.
Die Prognosen des Bitkom zeigen einen erheblichen Anstieg in den kommenden Jahren. Bereits 2030 dürfte der Verbrauch zwischen 35 und 38 Milliarden Kilowattstunden liegen. Bis 2035 rechnen die Experten mit einem Bedarf von 56 bis 70 Milliarden Kilowattstunden.
Verantwortlich dafür sind insbesondere die zunehmende Nutzung generativer KI, die Digitalisierung industrieller Prozesse und die wachsende Nachfrage nach Cloud-Diensten.
Bitkom fordert bessere Rahmenbedingungen für digitale Infrastruktur
Angesichts des steigenden Energiebedarfs warnt der Branchenverband vor Wettbewerbsnachteilen für Deutschland.
»Der KI-Wettbewerb ist auch ein Wettbewerb um Rechenleistung. Wer bei der Infrastruktur zurückfällt, verliert auch bei KI schnell den Anschluss«, erklärte Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst am Rande des Digitalgipfels der Bundesregierung.
Der Verband fordert deshalb wirtschaftliche Entlastungen für Betreiber von Rechenzentren. Dazu gehören niedrigere Stromsteuern, ein möglicher Industriestrompreis für die Branche sowie beschleunigte Planungs- und Genehmigungsverfahren.
Engpässe im Stromnetz gefährden den Ausbau deutscher Rechenzentren
Neben den steigenden Energiekosten stellt die begrenzte Verfügbarkeit leistungsfähiger Stromanschlüsse eine zentrale Herausforderung dar.
Laut einer Untersuchung des Borderstep Instituts betrachten rund 80 Prozent der befragten Betreiber und Branchenexperten fehlende Netzanschlusskapazitäten als größtes Hindernis für neue Rechenzentrumsprojekte.
Besonders große Anlagen benötigen erhebliche elektrische Anschlussleistungen. Ohne entsprechende Investitionen in die Stromnetze könnten geplante Projekte verzögert oder an Standorte außerhalb Deutschlands verlagert werden.
Kilian Wagner, Bereichsleiter für nachhaltige digitale Infrastrukturen beim Bitkom, sieht darin ein langfristiges wirtschaftliches Risiko.
»Die Unternehmen werden ihre digitale Transformation nicht zurückstellen, und wir als Privatbevölkerung werden nicht weniger digitale Dienste nutzen, nur weil wir nicht genug Rechenzentren in Deutschland haben. Dann werden wir einfach nur abhängiger und die Rechenzentren stehen im Ausland.«
Damit rückt neben der Energieversorgung auch die digitale Souveränität Deutschlands stärker in den Mittelpunkt der Debatte.
KI-Rechenleistung soll sich bis 2035 nahezu verachtfachen
Der Ausbau künstlicher Intelligenz verändert zunehmend die Anforderungen an die deutsche IT-Infrastruktur.
Nach Bitkom-Angaben entfallen 2026 rund 20 Prozent der gesamten Rechenzentrumskapazität auf KI-Anwendungen und Höchstleistungsrechnen. Bis 2035 könnte dieser Anteil auf 55 Prozent steigen.
Noch deutlicher zeigt sich die Entwicklung bei der elektrischen Anschlussleistung für diese Anwendungen. Sie soll von derzeit etwa 670 Megawatt auf rund 5.300 Megawatt anwachsen. Das entspricht nahezu einer Verachtfachung.
Investitionen erreichen 2026 neues Rekordniveau
Parallel zum steigenden Bedarf investieren Unternehmen erhebliche Summen in den Ausbau ihrer Rechenzentren.
Für 2026 erwartet der Bitkom Investitionen von insgesamt 23,5 Milliarden Euro. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einem Wachstum von 57 Prozent.
Die Investitionen verdeutlichen die zunehmende wirtschaftliche Bedeutung leistungsfähiger Serverinfrastrukturen für Unternehmen, Forschungseinrichtungen und digitale Dienstleistungen.
Moderne Server werden energieeffizienter
Trotz des wachsenden Stromverbrauchs verweist der Branchenverband auf erhebliche technische Fortschritte.
Moderne Server können inzwischen bis zu dreimal energieeffizienter arbeiten als vergleichbare Systeme aus dem Jahr 2021. Dadurch wächst die verfügbare Rechenleistung schneller als der dafür benötigte Energieeinsatz.
Die Effizienzsteigerungen reichen jedoch nicht aus, um den zusätzlichen Strombedarf durch die rasante Verbreitung von KI-Anwendungen vollständig auszugleichen.
Wasserverbrauch vieler Rechenzentren bleibt gering
Neben dem Strombedarf steht auch der Wasserverbrauch großer Rechenzentren zunehmend im Fokus.
Nach Angaben des Bitkom weisen 65 Prozent der deutschen Rechenzentren einen sehr niedrigen Wasserverbrauch von höchstens 0,1 Litern pro Kilowattstunde auf.
Ein höherer Wasserbedarf entsteht insbesondere bei Anlagen, die Verdunstungskühlung einsetzen. Wie stark Rechenzentren die örtlichen Wasserressourcen beanspruchen, hängt daher wesentlich von der verwendeten Kühltechnik ab.
Deutschland steht vor entscheidenden Infrastrukturinvestitionen
Der erwartete Anstieg des Stromverbrauchs zeigt, wie stark künstliche Intelligenz die Anforderungen an Deutschlands Energieversorgung verändert. Effizientere Server können den zusätzlichen Bedarf zwar begrenzen, ersetzen jedoch nicht den Ausbau der Stromnetze. Entscheidend wird sein, ob Deutschland ausreichende Netzkapazitäten, wettbewerbsfähige Strompreise und schnellere Genehmigungen sicherstellen kann, um im internationalen Wettbewerb um KI-Infrastruktur Schritt zu halten.

Johannes Falkenberg schreibt für HL-1.tv über aktuelle Nachrichten, Politik, Wirtschaft, Technologie, Sport, Unterhaltung und gesellschaftlich relevante Themen. Sein Fokus liegt auf klarer, verständlicher Berichterstattung und der Aufbereitung nützlicher Informationen für Leserinnen und Leser. Mit einem Blick für aktuelle Entwicklungen und relevante Geschichten liefert er fundierte Beiträge, die informieren, einordnen und den Bezug zum Alltag der Menschen herstellen.

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