November 3, 2026

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Mercedes-Benz verkauft europäisches Schnellladenetz an Electra und setzt künftig auf Partnerschaften

Mercedes-Benz verkauft europäisches Schnellladenetz an Electra und setzt künftig auf Partnerschaften

Mercedes-Benz zieht sich aus dem Betrieb eigener Schnellladeparks in Europa zurück. Der Stuttgarter Automobilhersteller verkauft 47 Ladestandorte mit insgesamt 374 Schnellladepunkten an den französischen Anbieter Electra. Gleichzeitig vereinbaren beide Unternehmen eine strategische Partnerschaft, die Mercedes-Kunden Zugang zu einem deutlich größeren Ladenetz zu vergünstigten Konditionen ermöglicht.

Electra übernimmt 47 Mercedes-Benz-Ladeparks in Europa

Mit der Übernahme stärkt Electra seine Position auf dem europäischen Markt für Schnellladeinfrastruktur. Von den 47 Standorten befinden sich 31 in Deutschland und sechs in Österreich. Die übrigen Ladeparks verteilen sich auf weitere europäische Länder.

Besonders deutlich fällt das Wachstum in Deutschland aus. Hier steigt die Zahl der Electra-Ladeparks von bislang 50 auf 81. Das entspricht einer Erweiterung um mehr als 60 Prozent.

Die Transaktion ist Teil einer umfassenderen Zusammenarbeit. Mercedes-Benz-Kunden erhalten über den Ladedienst MB.CHARGE Public künftig vergünstigte Konditionen an mehr als 800 Electra-Standorten mit rund 5.000 Ladepunkten in zehn europäischen Ländern.

Neben Ionity, an dem Mercedes-Benz beteiligt ist, wird Electra damit zum zweiten Premium-Partner des Automobilherstellers.

Mercedes-Benz ändert seine Strategie beim Schnellladen

Der Verkauf markiert eine deutliche Neuausrichtung der bisherigen Ladeinfrastrukturstrategie.

Mercedes-Benz hatte sein eigenes Schnellladenetzwerk 2023 gestartet und anschließend ehrgeizige Ausbauziele angekündigt. Bis zum Ende des Jahrzehnts sollten weltweit mehr als 10.000 Schnellladepunkte entstehen.

Noch im September 2025 betrieb das Unternehmen weltweit 80 Ladeparks und plante die Einführung besonders leistungsfähiger HYC1000-Schnellladesysteme des Herstellers Alpitronic.

Verkaufsentscheidung bereits im Juli getroffen

Wie aus dem Quartalsbericht von Mercedes-Benz hervorgeht, beschloss der Vorstand bereits im Juli 2026, das europäische Schnellladenetz zu verkaufen. Der entsprechende Kaufvertrag wurde am 3. August unterzeichnet.

Ein konkreter Kaufpreis wurde nicht veröffentlicht. Der zuletzt ausgewiesene Wert des europäischen Ladenetzwerks lag bei 99 Millionen Euro. Darin enthalten waren Sachanlagen im Wert von 73 Millionen Euro. Dem standen Verbindlichkeiten von 21 Millionen Euro gegenüber.

Während Mercedes-Benz seine europäischen Standorte abgibt, bleiben die eigenen Schnellladeaktivitäten in China und den USA vorerst bestehen.

Electra beschleunigt Expansion auf dem deutschen Markt

Für Electra ist die Übernahme ein bedeutender Schritt beim Ausbau seines europäischen Geschäfts.

Das französische Unternehmen ist seit Mai 2025 auf dem deutschen Markt aktiv und verfolgt eine Wachstumsstrategie, die den Aufbau neuer Ladeparks mit gezielten Übernahmen verbindet.

„Wir werden auch weiter organisch wachsen, das ist ein Teil der Strategie, aber wir schauen natürlich auch, was auf dem Markt an interessanten Ladenetzwerken unterwegs ist“, erklärte Paul Tonini, General Manager Deutschland bei Electra, gegenüber electrive.

Größere Netzwerke sollen wirtschaftliche Vorteile schaffen

Nach Einschätzung des Unternehmens wird sich der europäische Schnelllademarkt zunehmend auf größere Betreiber konzentrieren.

„Wir werden sehen, dass der Markt sich immer mehr auf größere Anbieter zusammenfassen lässt“, sagte Tonini.

Hintergrund sind die hohen Investitions- und Betriebskosten der Ladeinfrastruktur. Größere Netzwerke können diese Kosten auf mehr Standorte verteilen.

„Die Kosten wären sonst einfach zu hoch für das, was ich damit an Erträgen erwirtschaften kann“, erklärte der Electra-Manager.

Für 2027 plant Electra allein in Deutschland Investitionen von 200 Millionen Euro. Bis 2030 soll das europaweite Netzwerk auf 15.000 Schnellladepunkte anwachsen.

Mercedes-Kunden profitieren von erweitertem Ladeangebot

Für Fahrer von Mercedes-Benz-Elektroautos soll der Betreiberwechsel möglichst reibungslos verlaufen.

Die bisherigen Ladeparks bleiben nutzbar. Zusätzlich können Kunden künftig an Electra-Standorten von vergünstigten Roamingtarifen und weiteren Funktionen profitieren.

Dazu zählt auch die Möglichkeit, Ladepunkte zu reservieren. Die Standorte sind über das Mercedes-Benz-Ladesystem im Fahrzeug sowie über die Mercedes-Benz-App erreichbar.

„Elektromobilität bedeutet mehr als nur das Fahrzeug. Unser Anspruch bei Mercedes-Benz ist es, unseren Kundinnen und Kunden unabhängig von der Antriebsart ein nahtloses und außergewöhnliches Kundenerlebnis zu bieten“, erklärte Nico Dettmer, Globaler Leiter Mercedes-Benz Ladelösungen.

Die Zusammenarbeit mit Electra soll das Schnellladen in Europa „noch zugänglicher und komfortabler“ machen.

Umstellung der Ladestationen läuft bereits

Die technische Integration der übernommenen Standorte ist weitgehend angelaufen.

Electra hat die bisherigen Mercedes-Benz-Ladestationen bereits in sein Backend übertragen. In verschiedenen Lade-Apps werden die Standorte inzwischen unter dem neuen Betreiber angezeigt.

In den kommenden Tagen sollen außerdem die Zahlungsterminals für spontane Ladevorgänge ausgetauscht werden. Anschließend erhalten die Ladestationen schrittweise das Erscheinungsbild von Electra.

Personal ist von der Übernahme nicht betroffen. „Es ist kein Personal involviert“, bestätigte Tonini.

Strategiewechsel verdeutlicht Wandel im Lademarkt

Mit dem Verkauf seiner europäischen Schnellladeparks verabschiedet sich Mercedes-Benz vom eigenständigen Ausbau eines umfangreichen Ladenetzwerks auf dem Kontinent.

Stattdessen setzt der Hersteller stärker auf Kooperationen mit spezialisierten Infrastrukturbetreibern. Für Electra eröffnet die Übernahme zusätzliche Wachstumsmöglichkeiten, während Mercedes-Benz seine Investitionen in den kostenintensiven Betrieb eigener Ladeparks reduzieren kann.

Die Vereinbarung zeigt zugleich, wie sich der europäische Schnelllademarkt zunehmend konsolidiert und Partnerschaften zwischen Automobilherstellern und Ladeanbietern an Bedeutung gewinnen.