Ein traditionsreicher Name kehrt zurück: Mit „Marathon“ versucht das US-Studio Bungie, bekannt durch „Halo“ und „Destiny“, im hart umkämpften Markt der Extraction-Shooter Fuß zu fassen. Nach der milliardenschweren Übernahme durch Sony stehen die Erwartungen hoch. Ein erster Spieleindruck zeigt jedoch: Das Projekt überzeugt in einigen Momenten – wirkt insgesamt aber noch überraschend zurückhaltend.
Bungies ambitioniertes Live-Service-Projekt
Sony zahlte rund 3,5 Milliarden US-Dollar für die Übernahme von Bungie. Der neue Titel „Marathon“ soll nun beweisen, dass sich diese Investition langfristig auszahlen kann. Anders als viele große Shooter verzichtet das Spiel jedoch auf eine klassische Kampagne oder eine offene Spielwelt. Stattdessen setzt Bungie auf das derzeit populäre Extraction-Shooter-Prinzip.
Spieler betreten dabei gefährliche Gebiete, sammeln Ausrüstung und versuchen, lebend zu entkommen. Wer scheitert, verliert im Zweifel die gesamte Ausrüstung. Dieses riskante Gameplay sorgt für Spannung – verlangt den Spielern aber auch Geduld und taktisches Vorgehen ab.
Alte Marke mit langer Geschichte
Der Name „Marathon“ hat in der Spielebranche Tradition. Das Original erschien 1994 für den Apple Macintosh und entwickelte sich schnell zu einem Kulttitel. Zwei Fortsetzungen folgten, bevor Bungie mit „Halo“ später die Shooter-Revolution auf Microsofts Xbox auslöste.
Mit „Destiny“ versuchte das Studio Jahre später erneut, ein großes Online-Universum aufzubauen. Ganz an den Erfolg von „Halo“ konnte das Spiel jedoch nie anknüpfen. Dennoch überzeugte Bungie Sony mit seiner Erfahrung im Bereich von Live-Service-Games.
Die Entwicklung des neuen „Marathon“ verlief allerdings nicht ohne Probleme. Nach kritischem Feedback zu einem Closed-Beta-Test wurde der geplante Veröffentlichungstermin zunächst verschoben. Zusätzlich sorgten Plagiatsvorwürfe der Künstlerin Fern „Antireal“ Hook für Diskussionen. Der Streit wurde später außergerichtlich beigelegt.
Eine Kolonie im Visier großer Konzerne
Die Hintergrundgeschichte des Spiels bleibt bewusst schlicht. Das Kolonieschiff UESC Marathon strandet auf dem Planeten Tau Ceti und verliert den Kontakt zur Erde. Erst ein Jahrhundert später wird die Kolonie wiederentdeckt.
Mehrere mächtige Wirtschaftskonzerne beanspruchen daraufhin den Planeten für sich. Sie schicken sogenannte „Runner“ – die Spielfiguren der Spieler – los, um Ressourcen zu sichern und Einfluss zu gewinnen. Die Handlung dient jedoch hauptsächlich als Rahmen für das eigentliche Multiplayer-Gameplay.
PvPvE-Gefechte im Team
„Marathon“ setzt vollständig auf Multiplayer-Matches im PvPvE-Format. Teams aus drei Spielern treten sowohl gegen computergesteuerte Gegner als auch gegen andere Teams an. Ziel ist es, Missionen zu erfüllen, wertvolle Ausrüstung zu sammeln und anschließend erfolgreich zu extrahieren.
Zu Beginn wählen Spieler eine Mission sowie eine sogenannte „Hülle“, also ihre Charakterklasse. Insgesamt stehen sieben Varianten zur Verfügung – etwa ein schwer gepanzerter „Destroyer“ mit Schutzschild, ein beinahe unsichtbarer Assassine oder ein medizinischer Spezialist, der Teamkameraden mit einer Drohne heilt.
Die Spielgebiete unterscheiden sich deutlich im Schwierigkeitsgrad. Während das „Grenzgebiet“ als Einstieg dient, stellen Regionen wie das düstere Sumpfgebiet oder ein stark gesicherter Außenposten erfahrene Spieler vor größere Herausforderungen.
Spannung durch Risiko – und Frust
Das zentrale Spielprinzip sorgt regelmäßig für nervenaufreibende Situationen. Jeder Schritt kann über Erfolg oder Niederlage entscheiden. Kommunikation im Team ist entscheidend, denn ein einzelner Fehler kann den Verlust der gesamten Ausrüstung bedeuten.
Genau diese Mechanik sorgt jedoch auch für Frustmomente. Wer unvorsichtig ist oder in einen Hinterhalt gerät, verliert alles. Nur bereits erreichte Missionsziele bleiben erhalten.
In den besten Momenten entsteht dadurch ein intensives Katz-und-Maus-Spiel zwischen verschiedenen Teams. Gleichzeitig zeigt sich jedoch, dass das Spiel bislang wenig Abwechslung bietet.
Wenig Spektakel trotz hoher Produktionskosten
Technisch präsentiert sich „Marathon“ zwar sauber und stabil. Visuell bleibt das Spiel jedoch überraschend unspektakulär. Große Zerstörungseffekte, aufwendige Zwischensequenzen oder spektakuläre Action-Momente fehlen weitgehend.
Angesichts eines geschätzten Entwicklungsbudgets von rund 250 Millionen Dollar wirkt das Spiel teilweise erstaunlich nüchtern.
Auch die Missionen folgen meist einem simplen Muster: Daten sammeln, Gegner eliminieren oder bestimmte Orte sichern. In den weitläufigen Gebieten entstehen dadurch mitunter längere Phasen ohne nennenswerte Ereignisse.
Start mit gemischten Signalen
Zum Start erreichte „Marathon“ auf Steam rund 90.000 gleichzeitige Spieler. Ein Achtungserfolg – allerdings wurde diese Zahl schnell von anderen Neuerscheinungen übertroffen. So verzeichnete etwa das Indie-Spiel „Slay the Spire 2“ deutlich höhere Nutzerzahlen.
Mittlerweile befindet sich „Marathon“ auf der Plattform nicht mehr unter den meistgespielten Titeln. Positiv ist immerhin das überwiegend wohlwollende Feedback vieler Spieler.
Bungie reagiert bereits: Ein Patch soll den Ingame-Shop überarbeiten und einige Gameplay-Elemente transparenter machen. Zudem ist ein weiteres Spielgebiet angekündigt, das neue Inhalte bringen soll.
Fazit: Interessante Idee, aber noch Luft nach oben
„Marathon“ hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck. Das taktische Gameplay und die riskanten Extraktionen können spannende Momente erzeugen. Gleichzeitig fehlt es derzeit noch an Abwechslung und spektakulären Highlights.
Fans von Extraction-Shootern könnten hier langfristig ein fesselndes Multiplayer-Erlebnis finden. Für ein breiteres Publikum dürfte das Spiel aktuell jedoch noch zu minimalistisch wirken.
Ob Bungie den Titel mit neuen Inhalten und Updates langfristig zu einem festen Bestandteil des Live-Service-Markts entwickeln kann, dürfte sich erst in den kommenden Monaten zeigen.

Johannes Falkenberg schreibt für HL-1.tv über aktuelle Nachrichten, Politik, Wirtschaft, Technologie, Sport, Unterhaltung und gesellschaftlich relevante Themen. Sein Fokus liegt auf klarer, verständlicher Berichterstattung und der Aufbereitung nützlicher Informationen für Leserinnen und Leser. Mit einem Blick für aktuelle Entwicklungen und relevante Geschichten liefert er fundierte Beiträge, die informieren, einordnen und den Bezug zum Alltag der Menschen herstellen.

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