Caroline Wahl erzählt in ihrem vierten Roman von einer jungen Frau, die ihre Unsicherheit hinter sich lässt und als Hochstaplerin neue Freiheiten entdeckt. In «1999 Meter über dem Meer» führt der Weg der Protagonistin Samara von Bali über Berlin und das Allgäu bis in die wohlhabenden Kreise von St. Moritz.
Zwischen Selbstzweifeln und dem Wunsch nach Freiheit
Wie schon in ihren vorherigen Büchern beschäftigt sich Wahl mit Selbstfindung, inneren Konflikten und dem Bedürfnis nach Unabhängigkeit. Samara ist zunächst einsam, verletzlich und von Ängsten geprägt. Im Laufe der Geschichte entwickelt sie sich jedoch zu einer selbstbewussten Frau, die ihre Möglichkeiten immer konsequenter nutzt.
Persönliche Erfahrungen spielen bei der Gestaltung ihrer Figuren durchaus eine Rolle. «Die Grenzen zwischen mir und meinen Figuren sind natürlich nie ganz fest, und ab und zu fließen eigene Beobachtungen oder Vorlieben ein», sagt Wahl der Deutschen Presse-Agentur.
Die 31-jährige Schriftstellerin gehört inzwischen zu den erfolgreichsten deutschen Autorinnen ihrer Generation. Ihr Debüt «22 Bahnen» erschien 2023, verkaufte sich millionenfach und wurde 2025 verfilmt. Ein Jahr später folgte der ebenfalls viel beachtete Roman «Windstärke 17».
Mit «Die Assistentin» veröffentlichte Wahl 2025 ihr drittes Buch. Der Roman polarisierte und löste insbesondere in sozialen Netzwerken auch Häme und persönliche Angriffe aus. Die Kritik habe sie belastet, ließ die Autorin später erkennen. Dennoch betont sie, sehr stolz auf das Werk zu sein.
Von Bali über Berlin nach St. Moritz
Zu Beginn des neuen Romans verbringt Samara nach ihrem Studium einige Zeit auf Bali. Anschließend arbeitet sie als Junior-PR-Beraterin in einer Berliner Künstleragentur. Dann bricht sie unvermittelt mit ihrem bisherigen Leben auf, fährt im Cabrio ins Allgäu und gelangt schließlich in die Welt der Superreichen im Schweizer Wintersportort St. Moritz.
Dort erfindet sie immer neue Identitäten. Mal gibt sie sich als Gründerin aus, mal als angehende Ärztin oder Künstlerin. Mit wachsender Unerschrockenheit bewegt sie sich durch ein Umfeld, zu dem sie eigentlich nicht gehört. «Sie nimmt sich, was ihr aus ihrer Sicht zusteht», erklärt Wahl.
Caroline Wahl bewundert den Mut ihrer Heldin
Die Ich-Erzählerin behauptet, das Lügen «passiert ohne mein Zutun» und sie habe «keine Ahnung, woher das kommt». Nach vorsichtigen Anfängen entwickelt Samara ihre Täuschungen zunehmend zu einem Geschäftsmodell. Nach Angaben der Autorin hängt dieses Verhalten auch «mit der scheinmoralischen Gesellschaft» zusammen, in der die Figur keinen Platz findet und die sie ablehnt.
Eine Gemeinsamkeit zwischen Wahl und Samara sei vor allem die Tollpatschigkeit, sagt die in Kiel lebende Schriftstellerin. Zugleich bewundert sie die Entschlossenheit ihrer Heldin: «Aber abgesehen davon, wäre ich gerne so mutig wie Samara und würde einfach alles hinter mir lassen, in die Berge düsen und die Menschen dort an der Nase herumführen.»
Scharfe Beobachtungen und schonungslose Selbstkritik
Samara betrachtet ihre Umgebung mit zynischem und bisweilen sarkastischem Blick. Sie beobachtet Touristen auf Bali, nimmt das oberflächliche Gerede in der Künstleragentur auseinander und karikiert den Anspruch einer Mitbewohnerin auf eine «fleischlose und tierleidlose WG». Auch die wohlhabende Gesellschaft von St. Moritz bleibt zumindest anfangs nicht von ihrem Spott verschont.
Die dargestellten Auswüchse seien nicht vollständig erfunden, erklärt Wahl. «Natürlich kommt das alles nicht aus dem Nichts.» Manche vermeintlich überzeichneten Szenen würden sich in der Realität ähnlich abspielen. «Und ich befürchte, dass manche Stellen, die man beim Schreiben und Lesen als überzeichnet empfindet, in der Realität leider oft genauso stattfinden. Das ist ja das Schlimme!»
Am härtesten urteilt Samara allerdings über sich selbst. Sie kämpft mit ihrer Angst, die sie als «Dunkelheit» bezeichnet, und empfindet sich als schwach und unzulänglich. Ihre Selbstkritik bringt sie auf den Satz: «Natürlich weiß ich, dass ich das Problem bin.»
Sprachlicher Witz, große Gefühle und ein Happy End
Der Roman verbindet pointierte Dialoge mit emotionaler Tiefe. Während die Handlung auf Bali zunächst eher ruhig verläuft, nimmt sie später deutlich an Tempo auf. Samara entdeckt ihre Eigenständigkeit, probiert sich aus und gewinnt zunehmend an innerer Stärke.
Besonders gern habe Wahl jene Passagen geschrieben, in denen ihre Hauptfigur allein ist. «Am meisten genossen habe ich die Zeit mit Samara alleine, wenn sie nicht unter Menschen ist, in ihrem Auto sitzt, in der Wohnung in St. Moritz abhängt, während es draußen regnet, oder wenn sie wandert. Wenn ihr ihre Unabhängigkeit und Freiheit bewusst wird, sie die Gedanken fließen lässt und die gewaltige Natur in vollen Zügen genießt», schildert die Autorin. Da Wahl nach eigener Aussage Happy Ends mag, erhält auch diese Geschichte einen versöhnlichen Abschluss.
Fünfter Roman für 2027 angekündigt
Eine längere Pause plant Caroline Wahl nicht. «Mein kommender Roman erscheint selbstverständlich 2027», kündigt sie an. Zugleich hoffe sie, sich beim Schreiben weiterhin auf unterschiedliche Weise ausprobieren zu können.
Mit der Veröffentlichung am 28. August beginnt ihre Lesereise mit zahlreichen Terminen. Energie ziehe sie vor allem aus Büchern und dem eigenen Schreiben. «Erzählen und Geschichten geben mir Energie, bringen mir Freude und gleichen mich auch in turbulenten Zeiten aus. Es ist cool, sich selbst Ziele zu setzen.»

Johannes Falkenberg schreibt für HL-1.tv über aktuelle Nachrichten, Politik, Wirtschaft, Technologie, Sport, Unterhaltung und gesellschaftlich relevante Themen. Sein Fokus liegt auf klarer, verständlicher Berichterstattung und der Aufbereitung nützlicher Informationen für Leserinnen und Leser. Mit einem Blick für aktuelle Entwicklungen und relevante Geschichten liefert er fundierte Beiträge, die informieren, einordnen und den Bezug zum Alltag der Menschen herstellen.

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