Owen Ansah hat bei der Leichtathletik-Europameisterschaft 2026 in Birmingham deutsche Sprintgeschichte geschrieben. Der Hamburger gewann über 100 Meter die Bronzemedaille – trotz der Debatte um einen verweigerten Dopingtest und einer drohenden vierjährigen Sperre. Für einen dramatischen Moment sorgte Olympiasieger Lamont Marcell Jacobs, der das Finale verletzt abbrechen musste.
Owen Ansah sprintet in 10,19 Sekunden zu Bronze
Ansah überquerte die Ziellinie im Alexander Stadium nach 10,19 Sekunden. Schneller waren lediglich der neue Europameister Romell Glave in 10,09 Sekunden und dessen britischer Landsmann Jeremiah Azu, der sich in 10,16 Sekunden Silber sicherte.
Der deutsche Rekordhalter zeigte sich nach dem Rennen erleichtert. „Ich dachte: Gib Gas, mach weiter“, sagte Ansah im „ZDF“. Zunächst sei ihm nicht bewusst gewesen, welchen Platz er erreicht hatte: „Am Ende habe ich gar nicht gewusst, ob ich Dritter geworden bin. Aber umso glücklicher bin ich, dass ich mit einer Bronzemedaille nach Hause fahren kann.“
Ansahs Erfolg folgte rund 90 Minuten nach dem Gewinn der Silbermedaille durch Hammerwerfer Merlin Hummel. Damit sicherte der 25-Jährige dem Team des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) die vierte Medaille dieser Europameisterschaft.
Erste deutsche EM-Medaille über 100 Meter seit 40 Jahren
Mit Bronze beendete Ansah eine lange Durststrecke im deutschen Männersprint. Zuletzt hatte Steffen Bringmann aus der DDR bei der Europameisterschaft 1986 in Stuttgart mit Silber eine deutsche Medaille über 100 Meter gewonnen.
Für Ansah ist es zugleich die erste große internationale Einzelmedaille seiner Karriere. Nach dem Zieleinlauf nahm er eine deutsche Fahne entgegen, winkte den Zuschauerinnen und Zuschauern zu und feierte seinen historischen Erfolg.
Dopingverfahren überschattet Ansahs Medaillengewinn
Ob Ansah seine Bronzemedaille dauerhaft behalten kann, ist derzeit offen. Die Nationale Anti-Doping-Agentur (NADA) wirft dem Sprinter vor, im Juli einen Dopingtest verweigert zu haben. Sie fordert deshalb eine Sperre von vier Jahren.
Ansah, der mit 9,98 Sekunden den deutschen Rekord hält, weist die Anschuldigungen zurück und kündigte an, gegen eine mögliche Sperre vorzugehen. Da bislang keine vorläufige Suspendierung ausgesprochen wurde, war er bei der EM in Birmingham startberechtigt.
Trotz des erheblichen öffentlichen Drucks konzentrierte sich Ansah nach eigenen Angaben vollständig auf den Wettkampf. „Ich bin hier. Ich habe hier Gas gegeben. Ich bin im Hier und Jetzt, darauf konzentriere ich mich“, sagte er. „Auf die Sachen, die in der Zukunft passieren, da kann ich keinen Einfluss drauf nehmen. Ich bin hier. Und so fahre ich nach Hause und so lasse ich mich auch von meinen Freunden, von meinem Team, von meiner Familie feiern.“
Lamont Marcell Jacobs muss Finale verletzt abbrechen
Das 100-Meter-Finale wurde auch vom verletzungsbedingten Aus des italienischen Topfavoriten Lamont Marcell Jacobs überschattet. Der Olympiasieger von Tokio 2021 und Europameister von 2022 und 2024 musste das Rennen kurz vor der Hälfte der Distanz abbrechen.
Jacobs war als einer der aussichtsreichsten Kandidaten auf den Titel gestartet. Sein Aus machte den Weg für die britischen Sprinter Glave und Azu frei, die vor heimischem Publikum Gold und Silber gewannen.
Ansah startet bei der EM auch über 200 Meter
Für Ansah ist die Europameisterschaft noch nicht beendet. Während ihn der DLV wegen des laufenden Verfahrens nicht in den Staffeln einsetzen wird, ist ein weiterer Einzelstart über 200 Meter vorgesehen.
„Glaub an Dich, zieh durch“, lautet sein Motto in diesen bewegten Tagen. „Vertraue auf Deine Stärken. Über die 200 Meter möchte ich genau mit so viel Selbstbewusstsein an den Start gehen. Und mein Trainer sagt immer, die 200 Meter liegen mir mehr. Und dann gucken wir mal, was dabei rauskommt.“
Mit seiner Bronzemedaille hat Ansah bereits ein sportliches Ausrufezeichen gesetzt. Nun richtet sich der Blick sowohl auf seinen bevorstehenden 200-Meter-Start als auch auf das weitere Anti-Doping-Verfahren, das über die langfristige Wertung seines Erfolgs entscheiden könnte.

Johannes Falkenberg schreibt für HL-1.tv über aktuelle Nachrichten, Politik, Wirtschaft, Technologie, Sport, Unterhaltung und gesellschaftlich relevante Themen. Sein Fokus liegt auf klarer, verständlicher Berichterstattung und der Aufbereitung nützlicher Informationen für Leserinnen und Leser. Mit einem Blick für aktuelle Entwicklungen und relevante Geschichten liefert er fundierte Beiträge, die informieren, einordnen und den Bezug zum Alltag der Menschen herstellen.

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